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Der Pakt mit dem Panda?

Am 22. Juni 2011 sorgte eine Dokumentation des WDR für Aufruhr. In „Der Pakt mit dem Panda“, welcher in der ARD ausgestrahlt wurde, wurden Vorwurfe gegen den WWF und seine Arbeit erhoben: Sympathie für Gentechnik, Industrienähe, Ökotourismus und vieles mehr wurden in der Dokumentation präsentiert. Der WWF protestierte und stellte den „Faktencheck“ online, damit sich die über 400.000 SpenderInnen und noch deutlich mehr SympatisantInnen in Deutschland ein anderes Bild machen konnten.

Doch wie sieht es nun aus? Welche zentralen Vorwürfe sind gerechtfertigt, welche nicht?

Tigerrettung: Wer unter Tigerrettung versteht, dass ab sofort kein Tiger mehr ums Leben kommt und die Population seit dem WWF-Engagement steigen müsste, der kann mit den Ergebnissen nicht zufrieden sein: Zwar gibt es 39 Reservate, aber von den ursprünglich über 40.000 umfassenden Population von indischen Tigern (1947), gibt es heute nur noch rund 1.700. Jedoch gibt es zum ersten Mal eine Steigerung. Wem dies also als Ziel ausreicht, kann die Arbeit des WWF als Erfolg sehen.

Ökotourismus: Auch der WWF sagt, dass es den Ökotourismus gibt. Die Einschätzung über den verursachten Schaden wird jedoch unterschiedlich bewertet. Während die Tierfotografin Vasudha in dem Film davon spricht, dass der Ökotourismus mehr schadet als er nutzt, sieht der WWF den Schaden als „marginal“ an.

Landnutzung: In dem Film wird gezeigt, dass mit Unterstützung des WWF Natur zerstört wird, um dort Plantagen z.B. für Palmöl zu errichten. Der WWF bestreitet dies, macht jedoch deutlich, dass es u.a. runde Tische gibt, bei denen über u.a. „verantwortungsvolle Ausdehnung“ von Flächen gesprochen wird. Der WWF setzt sich also nicht für eine konsequente Verhinderung ein, sondern versucht das Schlimmste zu verhindern. Auch hier ist es eben Ansichtssache, was erfolgreich ist und was nicht…

Gentechnik: Die gezeigten Ausschnitte, in denen sich hohe Funktionsträger einzelner Länderorganisationen für Gentechnik aussprechen sind wahr. Zwar haben der WWF International und auch der WWF Deutschland eine klare Position gegen Gentechnik, jedoch sehen dies nicht alle Organisationen wie z.B. in den USA und Argentinien es auch so. Hier spricht der WWF also nicht mit einer geschlossenen Stimme…

Wirtschaftsnähe: Immer wieder wird deutlich wie eng der WWF mit Unternehmen zusammenarbeitet. In den dargestellten Fällen bestreitet der WWF eine direkte Zusammenarbeit. Jedoch unterstützt der WWF verschiedenen Initiativen zusammen, die für die Zertifizierung zuständig sind. Andere Umweltschutzorganisationen tun dies in diesem Umfang wohl nicht, bzw. sind nicht mit den erhobenen Standards und Vorraussetzungen einverstanden.

Dies alles macht deutlich: Vieles ist Ansichtssache. Grundsätzlich stimmen die Vorwürfe, auch wenn sie nur indirekt und nicht direkt durch den WWF erfolgen. Während andere Umwelt- und Tierschutzorganisationen radikale Positionen vertreten, geht der WWF immer wieder Kooperationen und Gespräche ein, um das Schlimmste zu verhindern. Die Taktik ist eine andere – nämlich die des kleineren Übels.

Wem die Rettung eines Teils der Tier-Population und Schaffung einzelener Reservate ausreicht, wer Ökotourismus nicht so schlimm findet, die Rettung der ökologisch wichtigsten Gebiete und ökologische Mindeststandards in der Produktion ausreicht, der kann auch weiterhin den WWF unterstützen – wer mehr will, sollte sich jedoch eine andere Organisation zur Unterstützung suchen…



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