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Also bitte…

Herr Kolkau, immer wieder muss ich lesen, wie sie über Unternehmer und Ausbilder herziehen und unsere Hinweise über die Ausbildungsunfähigkeit der jungen Menschen in Frage stellen. Herr Kolkau, ich bitte Sie. Tagtäglich mache ich im eigenen Unternehmen die Erfahrung, wie schlimm es um die Jugend heute steht.

Beginnen wir schon allein beim Bewerbungsverfahren. Sie müssen sich mal diese Bewerbungen anschauen. Fehler über Fehler. Sehen Sie hier: Wettturnen. Ist ja schön dieses Hobby zu haben. Aber sowas schreibt man doch nicht mit drei ‚t‘.  … Ach wie, Frau Kollegin? Neue Rechtschreibung? Was soll denn der sch***? Na ja, auf jeden Fall lauter Fehler, überall in den Bewerbungen.

Bei unserem Einstellungstest scheitern die Bewerber schon an den einfachsten Fragen aus der Allgemeinbildung. Was glauben Sie wie viele Bewerber die Hauptstadt von Indien nicht kennen und beim Multiple-Choice-Test statt Neu-Delhi, dann doch Bombay, Mumbai oder Jaipur ankreuzen. Ok, zugegeben – mit Indien hat unser Unternehmen überhaupt nichts zu tun – aber sowas muss man doch wissen…

Oder gehen wir mal als großes Aktienunternehmen in den Börsenbereich: Kaum ein Jugendlicher schafft es die Frage zu beantworten, dass man andauernd fallende Börsenkurse als „Baisse“ bezeichnet und dass obwohl die jungen Menschen ja selbst mal privat für ihre Rente sorgen sollen…

Oder Politik; dies wird Sie sicherlich besonders interessieren: Viele kennen nicht mal unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel. OK, sie macht ja auch nicht viel und hält sich immer diskret zurück, aber wer Nachrichten guckt, muss doch wissen dass Frau Merkel die Bundeskanzlerin von Deutschland ist.

Mathe – eine einzige Katastrophe. Niemand kann mehr ohne Taschenrechner rechnen. Also zu meiner Zeit gab es diese modernen Dinger gar nicht oder sie waren so teuer, dass sie sich niemand leisten konnte. Wir mussten alles im Kopf oder auf dem Papier selbst nachrechnen. Heute kann das niemand mehr. Was sollen wir denn mit den Leuten anfangen, wenn alle PC’s, Kassen und Taschenrechner ausfallen? Dann können die ja nichtmal im Laden an der Kasse 20-30 Teile im Kopf zusammenrechnen und kassieren. So funktioniert das doch nicht, Herr Kolkau.

Kurzum: Die Testergebnisse sind eine Katastrophe und zeigen schon deutlich, dass es sehr schwer wird, sie richtig auszubilden.

Oder dann die Vorstellungsgespräche. Was meinen Sie wie schwer es ist, dort anständige Gespräche zu führen. Entweder meckert der Betriebsrat, wenn wir nach der Familienplanung der jungen Frauen fragen, oder was noch schlimmer ist: Sie verweigern sogar die Aussage dazu. Frechheit!

Trotz dieser wirklich schlimmen Ergebnisse ringen wir uns dennoch durch zumindest Abiturienten als Auszubildende einzustellen. Mit Realschülern und Hauptschülern probieren wir es eigentlich nicht mehr – bei denen sind die Ergebnisse so schlimm, dass sie beim Multiple-Choice nichtmal mehr ausreichend Glückstreffer landen, um mit den Abiturienten mithalten zu können.

So, und da haben wir uns dann durchgerungen jungen Leuten eine Chance zu geben und sie bekommen die Ehre in unserem Weltunternehmen eine Ausbildung machen zu können und dann müssen wir denen noch die einfachsten Dinge erklären. Alle kennen sie facebook oder chatroulette, aber mal eine anständige Buchung in SAP oder DATEV bekommt niemand von denen hin. Das müssen wir unseren Azubis erst noch zeigen und erklären wie das geht – ein Unding. Bucht denn zu Hause niemand mehr seine Ein- und Ausgaben?

Oder bei den Mechatronikern: Eine Playstation oder X-Box haben alle zu Hause, aber eine gute CNC-Fräsmaschine haben sie noch nie gesehen. Dabei kann man damit auch privat so viele tolle Sachen machen, wie Schlüsselanhänger und so. Aber nein, wir müssen den Auszubildenden erstmal zeigen, wie man die Maschine bedient.

Mal ehrlich Herr Kolkau, können Sie uns erklären, wie wir so die Leute ausbilden sollen? Da müssen wir erstmal eine Menge Unterricht im Unternehmen geben, bevor wir die jungen Leute im Betrieb einsetzen können. Und das müssen, wie sie ja bei den DIHK-Umfrageergebnisse lesen konnten, 54% der Betriebe so machen. Können Sie uns sagen, warum wir Azubis einstellen sollten, die alles erst noch lernen müssen? Wir brauchen doch so dringend qualifizierte Fachkräfte.

Und da sie das alles nicht können und wir viel zu wenig Zeit haben, denen die ganzen Sachen auch noch beizubringen und zu erklären, müssen wir eben oft nach Aufgaben suchen, die selbst die jungen Leute ohne große Probleme von alleine hinbekommen. So fegen sie den Hof, dürfen Kaffee kochen – wobei unter uns: Das können viele auch nicht wirklich gut. Und dann nach ein paar Wochen beginnen die Azubis plötzlich sich zu beschweren, dass sie nur so blöde Aufgaben machen sollen. Ja, wenn sie doch sonst nichts können – was sollen wir denn da  machen? Diese Umgangsformen sind wirklich unerhört.

Also Herr Kolkau, bitte berücksichtigen Sie in Zukunft auch mal stärker unsere Sicht der Dinge und setzen Sie sich dafür ein, dass wir junge Leute bekommen, die auch ausbildungsfähig sind.



  1. Manuel on Freitag 9, 2010

    Haha. Echt geiler Artikel 🙂

  2. Stefanie on Freitag 9, 2010

    Also Herr Kolkau – ich finde Sie haben voll Recht 🙂


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