Neueste Artikel:
Goodbye Germany oder Hier geblieben!

Viele, die diesen Blog-Beitrag lesen, werden das Problem wohl nicht kennen, dennoch betrifft es in Gelsenkirchen eine Ganze Reihe von Menschen: Das Problem abgeschoben werden zu können. In unserer Stadt leben nach letzten Zahlen 816 Menschen mit der Aufenthalterlaubnis auf Probe, in NRW sind dies sogar rund 60.000. Dies sind Menschen, die aus ihrer Heimat wegen Krieg und/oder Verfolgung geflohen sind. Viele von ihnen leben schon 10 Jahre oder länger in Deutschland. Dennoch erlaubt ihnen der deutsche Staat nicht für immer hier zu bleiben.

Zwar hat die Innenministerkonferenz Ende 2009 eine Verlängerung der Bleiberechtsregelung für zwei Jahre beschlossen, was jedoch wieder nur eine Verlängerung der Unsicherheit für die 816 betroffenen Menschen in Gelsenkirchen bedeutet. Sie haben weitere zwei Jahre Zeit ihren Unterhalt selbständig zu verdienen und darüber eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis zu bekommen. Schaffen sie dies nicht, können sie abgeschoben werden. Doch wie einfach ist es für Menschen, die nur hier geduldet sind, ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten? In Gelsenkirchen gelingt das gerade mal jedem Zehnten.

Ältere Geduldete haben oft Probleme in den Beruf unterzukommen, den sie gelernt haben, da Abschlüsse oft nicht anerkannt werden. Sie haben nur die Möglichkeit in prekäre Beschäftigungsverhältnisse zu gelangen. Schlecht bezahlte Jobs, die dann noch nur befristet sind, erfüllen aber nicht die Bedingungen um den eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Jüngere Geduldete haben die gleichen Probleme wie andere MigrantInnen in unserem Land: Das Bildungssystem diskriminiert und grenzt sie aus: Sie werden auf Haupt- oder Sonderschulen abgeschoben und erlangen häufig nur schlechte Abschlüsse. Da man selbst mit guten Abschlüssen nur schwer einen Ausbildungsplatz findet, ist auch hier die Situation schon vorgezeichnet: Warteschleifen und prekäre Beschäftigung – also auch keine Möglichkeit, den eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Hinzu kommt das Problem, dass MigrantInnen selbst bei gleicher Qualifikation seltener eingestellt werden als Menschen ohne Migrationshintergrund. Bei Menschen mit einer Duldung erhöht sich diese Diskriminierung noch um einiges mehr.

Fehlende Zukunftsperspektiven und die andauernde Gefahr abgeschoben werden zu können, belastet diese Menschen. Gerade junge Menschen kennen ihre Heimat eigentlich gar nicht: Sie sind teilweise nicht mal volljährig oder um die zwanzig und leben seit 10-14 Jahren in Deutschland. Und dennoch leben tagtäglich mit der Angst in ein Land abgeschoben zu werden, welches sie nur von Erzählungen und aus den Nachrichten kennen.

Diese Situation empfinde ich als schlimm. Wer so lange hier lebt, sollte die Erlaubnis bekommen, hier auch in Zukunft weiter leben zu dürfen – und das für immer. Nur so schaffen wir es Perspektiven bei den Menschen zu schaffen und ihnen auch eine echte Chance zu geben, hier unabhängig leben zu können.

Und darüber wollen wir bei einem Forum am Mittwoch, den 23. Juni reden. Dazu haben wir um 18 Uhr im Alfred-Zingler-Haus auch mehrere Gäste eingeladen: Klemens Ross, Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt Ausländerrecht, Astrid Kippert vom Ausländer- und Flüchtlingsbüro Gelsenkirchen und Teuta Abazi, Sprecherin der Projektgruppe Migration der GE SPD.



  1. Bisher keine Kommentare. Warum schreibst du nicht was?



0